Special

Abschied

Musiktheater in Zusammenarbeit von Solistenensemble Kaleidoskop
mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Staatsoper Hannover

anschl. Nachgespräch mit Beteiligten der Produktion

ca. 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Termine und Karten

Für diese Produktion sind leider keine weiteren Termine geplant.

Wie lässt sich nach einem Ende ein neuer Anfang finden? Das Musiktheater Abschied widmet sich dem Zustand des Dazwischen, nach einem bereits stattgefundenen Ende und vor einem Neubeginn. Aus den aktuellen Krisensituationen heraus befragt das Stück unter Regie von Michael Rauter diesen Zeitraum des Übergangs nach einem abgeschlossenen Davor, zu dem es keine Rückkehr gibt. Ein für das Projekt zusammengestelltes Ensemble aus 12 Streicher:innen, bestehend aus Mitgliedern vom Solistenensemble Kaleidoskop aus Berlin und Solist:innen des Staatsorchesters Hannover bringt gemeinsam mit einer Tänzerin eine im Verschwinden begriffene Musik auf die Bühne.

Ausgangspunkt der Arbeit ist der letzte Satz aus Gustav Mahlers Neunter Sinfonie. Das Adagio. Sehr langsam und noch zurückhaltend bildet den Abgesang dieses monumentalen Werkes, für Abschied wird es neu arrangiert, erweitert und in eine im Raum choreografierte Fassung überführt. Das Team aus dem Regisseur und Komponisten Michael Rauter, der Choreografin Milla Koistinen, dem Künstler Ladislav Zajac und dem Komponisten Ethan Braun entwirft eine Zwischenwelt: Auf der mit silbern reflektierenden Platten ausgelegten Bühne spiegeln sich die Performer:innen und die Lichter, leere Notenständer säumen diese endlose Weite und ragen wie verlassene Türme in die Höhe. Während das Adagio immer weiter verschwindet, treten verstärkte Bewegungsgeräusche und stimmliche, gestische und musikalische Fragmente in den Raum und machen das Entschwinden erfahrbar.

Das Publikum wird Zeug:in einer Transformation: Während die Neukomposition von Ethan Braun collagenhaft die Streichinstrumente mit elektronischen Zuspielungen verbindet und Fragmente aus dem ersten Satz von Mahlers Sinfonie zitiert, wird der silberne Boden von den Performer:innen umgewälzt, als müsse sich die Bühne häuten. Was bleibt ist das Unbekannte: Eine Schwärze, ein Licht aus der Ferne und ein opakes Rauschen.

Abschied ist der erste Teil des Kooperationsprojekts NEUN vom Solistenensemble Kaleidoskop und den Institutionen Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden und der Staatsoper Hannover, das im Rahmen des Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird. Musiker:innen des Niedersächsischen Staatsorchesters stehen dabei gemeinsam mit Mitgliedern von Kaleidoskop auf der Bühne, wodurch sich traditionelle Orchesterarbeit mit der prozessorientierten Herangehensweise eines freien Ensembles verbindet. Nach der Premiere in Hellerau Dresden in 2020 und einer Corona-bedingt als Livestream gezeigten Vorstellung in Berlin ist Abschied nun erstmals in Hannover zu sehen. Beginn, die zweite Kollaboration zwischen Kaleidoskop und Staatsoper Hannover im Rahmen vom Projekt NEUN feierte im März 2022 Premiere in der Orangerie Herrenhausen und ist im Oktober in Dresden zu sehen.

Im Rahmen des Projektes NEUN in Zusammenarbeit von Solistenensemble Kaleidoskop mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Staatsoper Hannover, gefördert im Programm Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

Konzept, Inszenierung Michael Rauter
Choreografie Milla Koistinen / Michael Rauter
Musikalische Leitung, Arrangement Ethan Braun
Bühne, Licht Ladislav Zajac
Kostüme Johanna Perret


Fanny Didelot

nachtkritik.de

Berührend. (...) Den finalen Adagio-Satz aus Mahlers 9. Sinfonie lassen sie zerbröseln, zerbröckeln, zerfasern – bis nur noch ein Rascheln, Schaben, Kratzen zu hören ist.

Programmheft
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