Schauspiel

Weltmeister

Geschichtenerzählen erzeugt Bedeutung ohne den Fehler der Deutung zu begehen. Hannah Arendt

Ein Rechercheprojekt über deutsche Erinnerungskultur
von Nina Gühlstorff AKA:NYX und Ensemble
Uraufführung

Premiere

24. Januar 2020

Schauspielhaus


ca. 2 Stunden 45 Minuten, keine Pause

Regie Nina Gühlstorff AKA:NYX Bühne und Kostüme Marouscha Levy Video Stefan Bischoff Dramaturgie Friederike Schubert

Nikolai Gemel, Michael Hanegbi, Stella Hilb, Ariella Hirshfeld, Hadas Kalderon, Hajo Tuschy
Podcast
Theaterzeit zu „Weltmeister“
Materialien
Programmheft zu „Weltmeister“
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Inhalt

Wir nehmen Sie mit auf eine Erinnerungsreise und zugleich auf einen besonderen Rundgang durch das Schauspielhaus: Dabei entdecken wir nicht nur unbekannte Orte des Theaters, sondern auch Bruchstücke unserer Vergangenheit …
„Jeder Mensch besteht aus vielen Teilen, die sich immer wieder verschieben. Die ungebrochene Identität ist eine gefährliche Illusion“, schreibt der junge, jüdische Autor Max Czollek in seiner Streitschrift Desintegriert euch!. Es ist seine Antwort auf die politische Forderung nach Integration von Migrant*innen, auf die Selbstbeweihräucherung der Deutschen als Erinnerungsweltmeister* innen und auf die Verharmlosung rechtsnationalen Denkens.
Aber wie erinnern? Laut einer aktuellen Erhebung des Nachrichtensenders CNN wissen 40 Prozent der 18- bis 34-jährigen Deutschen „wenig” oder „gar nichts“ über den Holocaust. Wie kann es sein, dass dieser Teil der jüngeren deutschen Geschichte so in den Hintergrund gerückt ist? Wie erinnert die Vierte Generation 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges? Was passiert, wenn die letzten Zeitzeug*innen sterben? Wie entwickeln wir ein (Selbst-)Bewusstsein für unsere, aus vielen verschiedenen Teilen bestehende Identität?
Nina Gühlstorff arbeitet seit 2001 als freie Regisseurin. Ihre Rechercheprojekte sprengen den Rahmen der „Guckkasten-Bühne“ und bieten dem Publikum einen direkt erfahrbaren Zugang zu deren Inhalten und Akteur*innen.
Gemeinsam mit einem multinationalen Schauspielensemble, bestehend aus israelischen Gästen und Schauspieler*innen des Schauspiel Hannover, entwickelt Nina Gühlstorff einen begehbaren Theaterabend. Ausgehend von Recherchen und Interviews in Hannover und Region entsteht eine Vision beginnend bei der Utopie des „Shtetl“ bis
in eine mögliche Zukunft.

Parcours durch das Schauspielhaus, nicht barrierefrei.

Pressestimmen

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Das Projekt ist gleichzeitig packend und peinlich, verstörend und störend, herausfordernd und nervig. […] Unerhörte Geschichten vom Nichtwissen, vom Verdrängen und vom Leugnen.

Nachtkritik

Ein leidenschaftlich empörter Monolog über Geschichtsverdrängung und die Unmöglichkeit, schnelle Antworten aus Archiven zu buddeln: Tuschy gestaltet den Höhepunkt des Abends. […] Ein maximal vielstimmiges Bild öffentlicher und privater Meinungen.