Ohne uns wird’s still!

Aufgrund der aktuellen Situation und der Ausbreitung des COVID-19 finden derzeit keine Live-Vorstellungen in den Kulturinstitutionen Hannovers mehr statt, die Zuschauersäle bleiben leer. Wir haben die Kulturschaffenden gefragt, wie sie die aktuelle Situation erleben und welche Wünsche, Ängste und Hoffnungen sie für die Zukunft haben.

 

 

 
Foto: Clemens Heidrich
 

 

 

Theater lebt von der Unmittelbarkeit der Begegnung – und die vermissen wir derzeit ganz schmerzlich. Ich hoffe sehr, dass die Politik den Wert der Kultur und ihrer Rolle im gesellschaftlichen Miteinander nicht vergisst.

Sonja Anders, Intendantin Schauspiel Hannover 

 

 

Persönlich ist es für mich eine harte Zeit, ich habe meine Familie in Indien seit fast zwei Jahren nicht gesehen. Die Probenarbeit und die Musik helfen mir trotz allem, fokussiert und positiv zu bleiben.

Darwin Prakash, Bariton Junge Oper

 

 

Meine Hoffnung ist, dass wir uns durch die momentane Situation wieder mehr als Gemeinschaft verstehen und uns den gesellschaftlichen Problemen, die jetzt deutlich hervortreten, annehmen.

Madeleine Hasselmann, Grafikerin und Gleichstellungsbeauftragte Staatstheater Hannover

 

 

Ich arbeite als Inspizientin und leite das Ballhof Café, sowie einen der vielen  Jugendclubs. Als Inspizientin fehlen mir meine Vorstellungen. Für meine Arbeit mit den Jugendlichen heißt es nun: neue Ideen finden. Die Jugendlichen sind froh, dass es überhaupt weitergeht, aber ich spüre bei allen die Sehnsucht nach echten Treffen, nach dem Kontakt und dem Miteinander.

Silke Janssen, Inspizientin & Ballhof Café

 

 

Im Zuschauerraum gemeinsam mit anderen (wenn auch sehr wenigen) ein Schauspiel oder Konzert zu erleben wird für viele Menschen nicht nur als Bereicherung empfunden, sondern als wichtiger Teil ihres Lebens.

Inga Achenbach, aus dem Vertrieb der Staatstheater

 

 

Ich habe große Sorgen um die Zukunft der Künstlerinnen und Künstler, um die Zukunft der lebendigen und einzigartigen Theaterszene in Deutschland. Wir brauchen die Solidarität miteinander. Die Gesellschaft braucht die Kultur, um wieder ins Gespräch zu  kommen, wenn sich das öffentliche Leben wieder normalisiert. Denn gerade dann ist Kultur gesellschaftsrelevant.

Jürgen Braasch, Verwaltungsdirektor Staatstheater Hannover

 

 

Kunst lebt von dem direkten Kontakt. Die Menschen sollten selber entscheiden dürfen, ob sie ins Kino, Museum, Theater oder Ähnliches gehen. Sichere Hygienekonzepte sind doch vorhanden!

Wolf Bock, Leiter der Veranstaltungstechnik Cumberland

 

 

Natürlich vermisse ich die Bühne! Aber ich bin sehr dankbar, dass wir weiter trainieren und proben können und uns somit gut auf die Zeit vorbereiten können, wenn die Opernhäuser wieder öffnen.

Laura Nicole Vigano, Tänzerin Staatsballett Hannover

 

 

Ich bin hier, um zu tanzen. Dafür lebe ich. Nach einer Aufführung erhielt ich einmal eine Nachricht von jemandem aus dem Publikum, der schrieb: Sie haben mir das Leben gerettet. Wir geben den Menschen Emotionen. Das ist so wichtig. Wir sind
überlebenswichtig.

Rosario Guerra, Tänzer Staatsballett Hannover

 

 

Ich bin West-Berliner und habe mit der Wiedervereinigung schon eine Krise im Kulturbetrieb miterlebt: Aus wirtschaftlichen Gründen wurden viele Institutionen meiner Heimatstadt damals „weggespart“. Meine Befürchtung ist, dass sich das wiederholen wird. Ich hoffe sehr, dass allen Menschen – Mitwirkenden und Besuchern – durch die jetzige Krise wieder bewusster wird, welch unschätzbarer Reichtum die Kultur für unsere Gesellschaft ist.

Ingo Jander, Orchesterdirektor Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

 

 

Persönlich wächst die Angst vor dem finanziellen Ruin. Ich habe die Sorge, dass wir die Theater noch unvorstellbar lange schließen müssen, und meine Hoffnung arbeitet täglich gegen diese Sorge an.

Elke Cybulski, theaterwerkstatt Hannover

 

 

Mehr denn je heißt es: Jeder Tag zählt, nutze ihn so gut es geht und mache das Beste daraus.

Mercedes Arcuri, Sopran Staatsoper Hannover

 

 

Hätte ich drei Wünsche frei, wünschte ich mir, dass erstens das Virus mithilfe aller besiegt würde, zweitens, dass die Menschen nach der Pandemie nicht so weitermachten wie bisher, sondern jetzt anfingen mit einer radikalen Veränderung, und drittens – das ist ein kleiner Absicherungswunsch –, dass Wunsch eins und zwei sich erfüllten, bevor es zu spät ist.

Ulrike Willberg, Agentur für Weltverbesserungspläne

 

 

Corona macht was mit uns. Lasst uns achtsam sein.

Hanno Hüppe, Technischer Direktor

 

 

Die Zeit ist für die Kulturbranche, besonders für die freien Künstlerinnen und Künstler, sehr schwer und anstrengend, nötig sind eine langfristige Planungsmöglichkeit und effektive Hilfen. Wir versuchen weiterhin den Blick nach vorne zu richten und den Lockdown zur Entwicklung neuer Formate zu nutzen. Wir möchten Möglichkeiten entdecken und positive Anstöße geben.

Laura Berman, Intendantin Staatsoper Hannover