Wir sind Günter Wallraff!

von Alexander Eisenach, Johannes Kirsten und Ensemble

unter Verwendung von Texten Günter Wallraffs

 - einmal zahlen und zu zweit ins Schauspiel gehen!

Einführung 19:15 | ZUM LETZTEN MAL! | Fr 04.12.15 | 20:00–21:45 | Cumberlandsche Bühne

Wir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd KarwaszWir sind Günter Wallraff – © Karl-Bernd Karwasz

Günter Wallraff ist eine Legende. Er deckt Missstände in unterschiedlichen Institutionen und Firmen auf und veränderte mit seinen Reportagen wie Ganz unten nachhaltig das Gesicht der BRD. Als Türke Ali schuftete er bei Thyssen und McDonald’s. Sein Enthüllungs- journalismus ist ein ganz spezieller, denn Wallraff arbeitet mit Verkleidung, agiert in seinen Rollen-Reportagen oft gleichzeitig als Schauspieler und Regisseur in einer Person. Um etwas über die Realität offenzulegen, benutzt Wallraff theatrale Mittel. Er schlüpft immer wieder in unterschiedlichste Rollen. Er war »Lakaien-Mönch« im Kloster der Thurn und Taxis in Regensburg, telefonierte als Michael G. bei CallOn und Ziu-International, war namenloser Obdachloser, simulierender Alkoholiker in der geschlossenen Psychiatrie, ein Jahr als Schwarzer in Deutschland und erlebte als Bildreporter Hans Esser »wie Messer« die alltäglichen Fälschungen bei Bild Hannover. »Du arbeitest in der Intensivstation der Massenträume. Bösartiger, unwirklicher, ablenkender Träume. Die Traumfabrikanten, die Macher, ziehen sich selbst an ihren eigenen Geschichten hoch.«
Wallraffs Zeit bei Bild Hannover wird Ausgangspunkt einer szenischen Annäherung an das Phänomen Günter Wallraff und einer Reflektion über Rollen und Identitäten, über die Erkundung und Inszenierung der Realität.

Regie Alexander Eisenach + Bühne Lena Schmid + Kostüme Julia Wassner + Dramaturgie Johannes Kirsten

Mit Beatrice Frey, Günther Harder, Henning Hartmann, Wolf List

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Publikumsstimmen

Befindlichkeit zu "Wir sind Günter Wallraff!"
Eigentlich bräuchte es keine weiteren Schauspiele, zumindest nicht unser Dasein im Hier und Jetzt der kapitalistischen Realität betreffend.
"Wir sind Günter Wallraff!", ein Stück indem selbst die Frage nach der Realität wieder auf sich selbst zurückgeworfen wird und somit in Frage gestellt bleibt.
Was ist Realität? Meine, deine oder die des Kollektivs!? Und was kann man überhaupt tun gegen diese vermeintliche kapitalistische Realität, die durch macht- und geldgierige Menschen als Instrument der Unterdrückung und des Mißbrauchs geschaffen und eingesetzt wird?
Günter Wallraff hatte sich, wohl aus den 68ern erwachsen, dieser Machtmißbräuche und Realitäten hinter der gutbürgerlichen Maske verschrieben. Im wahrsten Sinne des Wortes als Redakteur bei der BILD-Zeitung und mußte erkennen, daß er "Ganz unten" zwar die hässliche Fratze der menschlichen Natur erkennen und spüren konnte, andererseits aber durch seine Publikationen über diese Abgründe, ebenso ein Teil des Getriebes dieses Systems war und ist.
Nachhaltig bleibend haben die Schauspieler Beatrice Frey, Günther Harder, Henning Hartmann und Wolf List diese vermeintlichen Gegensätze zum Ausdruck gebracht. Wie da der Konsul (W. List) vor dem Hutständer steht und schreiend nicht mal mehr das Wort "Realität" ertragen kann und sich fragt, welche er denn nun annehmen könne. Setzt er den Cowboyhut auf mag es zwar äußerlich so erscheinen, daß er jemand anderes ist und vielleicht könnte er es sich auch eine Weile so vormachen, doch sein Innerstes "geht dabei die Wände hoch", weil es weiß, daß er das nicht wirklich ist.
Und die Frage bleibt im Raum, wer oder was sind wir denn wirklich!?
Dieses Ringen um die Fragen der eigenen Rolle im System, der Identität und Realität über Günter Wallraff und seine Geschichte zu transportieren ist gelungen inszeniert. Videoeinlagen vom Original-Günter und Camcordersequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven der Schauspieler, dazu noch Musik und andere schnell wechselnden visuelle Eindrücke, forderte mir als Zuschauer alle mir zur Verfügung stehende sinnliche Aufmerksamkeit. Die teilweise langen philosophisch und gesellschaftskritischen Dia- oder Monologe mußten dann auch noch mit diesen schnell wechselnden äußeren Aktivitäten vom Zuschauer verwoben werden, um diesem höchst anspruchsvollen Stück noch folgen zu können. Manchmal etwas anstrengend, aber um der Aufklärung und Bewußtwerdung Willen was Realität ist oder sein könnte, ansprechend und bewegend umgesetzt. Wahrlich eine gelungene essenzielle Zusammenfügung der Texte Wallraffs als Bühnenstück und absolut überzeugend dargestellt vom Ensemble.
Besonders positiv in Erinnerung durch sein lebendiges Spiel ist mir Günther Harder. Berührend mimt er die Selbstzweifel, aber auch die aggressive "Agitation" vor der plumpen Masse (das Publikum im Dutzend) des "Undercover-Journalisten" Günter. Angestachelt, in Frage gestellt und zur Raserei gebracht durch seinen Gegenpart Günter alias Henning Hartmann. Ein Feuerwerk menschlicher Mimik und Gestik, überzeugend auch ohne Worte. Es war eine Freude dabei zuzusehen.
Bei den Superheldenkostümen (wohl einem Wrestling-Circus entliehen) am Ende des Schauspiels konnten wir uns vor Lachen kaum noch halten, aber mehr noch wegen der Mimen putzigem Bemühen, diesen Lackfetischen Superkräfte zu entlocken.
Die vier Schauspieler gaben alles, ohne das Langeweile hätte aufkommen können und das bei einer handvoll Zuschauer in der letzten Aufführung. Das nenne ich gekonnte professionelle und leidenschaftliche Schauspielkunst, die ihren Namen verdient. Es war eine unterhaltsame und inspirierende Realität.

Ralf Barwitzki 17.10.2015, 21:17

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