»Männer sind so«

Worin liegt für dich der Charme von Indien?
Lars-Ole Walburg: Als Mann finde ich es interessant, etwas über Männer zu erzählen. Über die seltsamen, manchmal sehr sturen, beratungsresistenten Seiten von Männern. Das hat eine Komik, die ich sehr mag. Und Indien ist eine kleine, feine Beobachtung und Beschreibung einer sich anbahnenden Männerfreundschaft trotz aller Verhaltensschäden.

 

Wie würdest du die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren Fellner und Bösel beschreiben?
Walburg: Es ist ein Paar, das man sich unterschiedlicher nicht vorstellen kann. Trotzdem sind sie durch ihre Arbeit im Außendienst tagtäglich zusammen. Bösel ist ein jovialer, sehr direkter, bodenständiger Typ. Er trinkt viel Bier, isst gern und kümmert sich zu Hause am liebsten um seinen Garten. Fellner dagegen ist ein Yuppie. Er schwört auf gesunde Ernährung und ein modisches Outfit und legt Wert auf seine Bildung, die vor allem durch die Beantwortung von Trivial Pursuit-Fragen zustande kommt. Und nun müssen diese beiden mit dem Auto gemeinsam übers Land fahren und die Gasthöfe in der brandenburgischen Provinz inspizieren. Durch ihre Unterschiedlichkeit sind Kommunikationsprobleme und damit einhergehende Komik natürlich vorprogrammiert. Wir kennen auch andere solche Pärchen, beispielsweise Stan Laurel und Oliver Hardy oder auch Derrick und Harry.

 

Dieses Stück hat sehr viel schwarzen Humor. Ist das eine Möglichkeit, der Absurdität und den bitteren Seiten des Lebens zu begegnen?
Walburg: Es ist auf jeden Fall immer eine gute Art und Weise, mit Dingen umzugehen, die vielleicht sonst unerträglich wären. Indem wir über sie lachen, schaffen wir uns einen Umgang mit ihnen und nehmen ihren unangenehmen Seiten ihren Schrecken. Allerdings ist Deutschland nicht gerade die Hochburg des schwarzen Humors. Das Stück wurde aber von zwei Österreichern geschrieben. Dort ist schwarzer Humor, böse Satire viel stärker entwickelt als bei uns und ich finde das extrem reizvoll. Ich hab das Stück dann aber »übersetzt« – zunächst einmal aus dem österreichischem Idiom, aber auch vom Ort des Geschehens. Bei uns spielt die Geschichte nicht in Oberösterreich, sondern in Brandenburg.

 

Beide Charaktere haben so ihre Probleme mit dem Leben. Im Laufe des Stückes öffnen sie sich vorsichtig und beginnen miteinander zu sprechen. Meinst du, es ist einfacher, sich einem Fremden gegenüber zu öffnen als einem Bekannten? Dass dieser einem sozusagen vorurteilsfreier gegenübersteht?
Walburg: Das kann so sein. In unserer Geschichte ist es ja so, dass den beiden auf Dauer nichts anderes übrig bleibt, als miteinander zu kommunizieren. Am Anfang finden sie kaum gemeinsame Gesprächsthemen, da ihre Interessen so unterschiedlich sind und deshalb gewöhnlicher Smalltalk nicht funktioniert. Da versanden Gesprächsversuche dann oftmals in peinlichem Schweigen. Erst nach einigen Entgleisungen und Schicksalsschlägen bricht das langsam auf. Auch weil beide zunehmend ehrlich von den eigenen Männerängsten erzählen. Die Geständnisse schaffen Vertrauen. Fellner und Bösel nähern sich einander und lernen, den anderen in seiner Eigenart zu akzeptieren. Ein schönes Beispiel dafür, wie das Zusammenleben von Toleranz abhängig ist.

 

Meinst du, dass es dieser enge Raum ist, der die beiden zwingt, aufeinander zuzugehen?
Walburg: Männer sind immer so (lacht). Ich kenne das selbst und mag das überhaupt nicht an mir. Männer meinen oft, dass es nichts ausmacht, wenn die emotionale Seite etwas unterbelichtet ist. Man muss nicht miteinander kommunizieren oder sich unbedingt über Dinge austauschen. Männer können unglaublich stur sein und benehmen sich leider nicht so, wie es für sie und ihren eigenen Gefühlshaushalt vernünftig wäre. Sie reden sich dann ein, dass erstens immer die andern schuld sind und zweitens, dass sie die anderen auch nicht brauchen. Indien zeigt sehr schön, wie solche Haltungen aufgeweicht werden. Teilweise durch Gewöhnung, aber auch, weil tatsächlich ein gegenseitiges Interesse erwacht. Ohne dass der Austausch immer wahnsinnig tiefgehend ist. Wie unbeholfen und holprig dieser Weg ist, das ist teilweise schreiend komisch. Frauen dagegen verstehen Kommunikation selbstverständlich als Teil einer vernünftigen Lebensführung.

 

Wir spielen das Stück im August als Open Air bei uns im Theaterhof, ab September gehen wir damit in das Brauhaus Ernst August. Wie kam es zu der Idee, mit dem Stück in eine Kneipe zu gehen? Und was bedeutet das für die Geschichte?
Walburg: Da Bösel und Fellner als Gasthaus-Tester unterwegs sind, lag es nicht fern, den Abend auch direkt in einer Kneipe zu spielen. Dort ist auch das notwendige Interieur vorhanden, das man bei uns im Hof als Bühnenbild erst einmal nachbauen muss. Ein weiterer Vorteil ist die große Intimität einer Kneipe. Die Schauspieler müssen um die Zuschauer herum spielen, weil dort naturgemäß nicht viel Platz ist. Und man wird als Zuschauer auch ein Teil der Erzählung, was man nicht häufig erleben kann. Umgekehrt ist es für mich als Theatermensch reizvoll, das Theater auch mal zu verlassen und in reale Räume zu gehen, um diese vielleicht ein bisschen umzunutzen. Nicht zuletzt hofft man auch, dass es vielleicht Zuschauer in diese Kneipe zieht, die sonst nicht unbedingt auf die Idee kommen würden, ins Schauspielhaus zu gehen, dass also die Hemmschwelle für das Publikum niedriger ist.

 

Dürfen die Zuschauer dann auch Schnitzel und Bier probieren?
Walburg: Sie müssen! (lacht) Nein, aber ich bin mir sicher, dass jeder, dem an diesem Abend ein paar Schnitzel vorgegessen werden, spätestens nach der Vorstellung selbst eins bestellt. Wobei wir auch an eine vegetarische Variante gedacht haben.

Interview: Rania Mleihi

 

Preview: 10.08.17, 21:00 Uhr (Einlass 20:00 Uhr), Theaterhof

Premiere: 11.08.17, 21:00 Uhr (Einlass 20:00 Uhr), Theaterhof – AUSVERKAUFT

Weitere Vorstellungen fast täglich bis 27.08.

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