Cumberland – eine kollektive Utopie

Mit 23 Neuproduktionen, darunter fünf Uraufführungen, geht das Schauspiel Hannover in die Spielzeit 2017/18. Und es definiert einen altbekannten Ort neu: Denn die 2009 eröffnete Cumberlandsche Bühne wird im Sommer umgebaut. Sie verwandelt sich in eine flexible Raumbühne, die offen für unterschiedlichste Spielsituationen ist.

 

Die Cumberlandsche Galerie wiederum wird zum Set für die neue zehnteilige Theaterserie Eine Stadt will nach oben. Bühne und Galerie firmieren künftig unter dem gemeinsamen Label Cumberland. Damit verbunden ist eine Öffnung des Ortes in die Stadt und für neue Formate mit unterschiedlichen Partnern. Cumberland erfindet sich neu – als ein Ort des Austauschs, für Träume, Sehnsüchte und ein progressives Zukunftsdenken. (Detaillierte Informationen geben der neue Hausregisseur Alexander Eisenach und die Dramaturgin Sarah Lorenz ab Seite 76 im Spielzeitheft!)

 

Gleichsam den Prolog für die neue Spielzeit markiert die Sommer Hof Theater-Produktion Indien von Josef Hader und Alfred Dorfer in der Regie von Lars-Ole Walburg. Premiere ist am 11. August auf dem Theaterhof, gespielt wird nahezu täglich bis 27. August.


Am 31. August eröffnet Hausregisseur Tom Kühnel mit Medea nach Franz Grillparzer die große Bühne im Schauspielhaus. Philipp Winklers großartiger Debütroman Hool, der in und um Hannover spielt, erlebt am 23. September seine hiesige Premiere. Einmal mehr handelt es sich dabei um eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, wo der Abend in einer Theaterfassung von Regisseur Lars-Ole Walburg bereits am 25. Mai uraufgeführt wird.
Eine weitere Koproduktion führt erstmals Landerer & Company mit dem Schauspiel Hannover zusammen: Für sein Tanztheater Lucky hat sich der Choreograf Felix Landerer von Becketts Warten auf Godot inspirieren lassen.


Weiter gehts mit John Osborne, der in seinem Stück Der Entertainer vom Niedergang der Music Hall erzählt. Am 11. November feiert das neue Familienstück In 80 Tagen um die Welt seine Premiere als turbulentes Roadmovie für Groß und Klein. Für sein Stück Geächtet hat der Autor Ayad Akhtar 2013 den Pulitzer-Preis gewonnen. Es zeigt, wie brüchig das Fundament der Aufklärung in Wahrheit ist, auf dem wir so fest zu stehen meinen. Mit Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer setzt die Regisseurin Mina Salehpour (Alles ist erleuchtet) ihre Beschäftigung mit dem US-amerikanischen Autor fort. Dabei wird das Publikum nicht im Zuschauerraum, sondern auf der Bühne des Schauspielhauses Platz nehmen, von wo aus es die Inszenierung im Bühnenturm verfolgen kann. Klaus Manns Roman Mephisto beschreibt in der Figur des Hendrik Höfgen die Legende einer Künstlerkarriere in totalitären Zeiten – als artistisch-politischen Hochseilakt, inszeniert von Milan Peschel (Das Mädchen Rosemarie). Mit Hedda Gabler kehrt Henrik Ibsen wieder in den Spielplan zurück – ein subtiles Psychodrama zwischen Begehren und Enttäuschung.


Nach seiner gefeierten Hamlet-Inszenierung wird der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson erneut in Hannover arbeiten: Gemeinsam mit dem Autor Mikael Torfason begibt er sich in den nordischen Sagenstoff der Edda, um ihn neu zu lesen, zu überschreiben und so zu versuchen, in das Unbewusste unserer Gesellschaft vorzudringen, das sich aus den alten Geschichten speist.

 

Zehn Jahre Junges Schauspiel
Im Ballhof steht ein stolzes Jubiläum an, denn im Herbst 2017 wird das Junge Schauspiel Hannover zehn Jahre alt. Mit Barbara Kantel übernimmt zum Spielzeitbeginn eine alte Bekannte die Leitung der jungen Sparte von Florian Fiedler, der als Intendant ans Theater Oberhausen wechselt; sie hatte bereits die Gründungsphase des Jungen Schauspiels als dessen stellvertretende Leiterin begleitet. Im Ballhof stehen sechs Premieren für Zuschauer ab 12 bis 15 Jahren auf dem Programm – von der Auftaktpremiere Kabale und Liebe am 8. September bis zur Uraufführung von Qualityland, dem neuen Roman von Känguru-Autor Marc-Uwe Kling, im Frühjahr 2018. Dabei werden auch neue junge Regiehandschriften zu entdecken sein, etwa von Brit Bartkowiak, Jan Friedrich, Wera Mahne und Clara Weyde.
Unter dem Motto YALLA! (arabisch für »Los gehts!«) bündelt das Junge Schauspiel ab September 2017 alle Aktivitäten und Initiativen, mit denen es auf die Herausforderungen und Chancen der Zuwanderung reagiert. Alle jungen Leute, die an Kunst Interesse haben, sind zum Mitmachen eingeladen. (Mehr Informationen dazu ab Seite 114 im Spielzeitheft.)

 

 

Kleist-Förderpreis

Dem Schauspiel Hannover wird in diesem Jahr die Ehre zuteil, das Gewinnerstück des Kleist-Förderpreises 2017 Tod für eins achtzig Geld der jungen Hamburger Autorin Franziska vom Heede herauszubringen (Regie: Nick Hartnagel). Nach der Uraufführung bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen am 1. Juni feiert die Koproduktion mit dem Kleist Forum Frankfurt / Oder und den Ruhrfestspielen am 16. September Premiere in Cumberland.


In der Recherche Chaostage – der Ausverkauf geht weiter! steht einmal mehr Hannover im Brennpunkt: Die junge Regisseurin Ulrike Günther nimmt die Revolte von damals als Absprungrampe, um heutige Aufstandsbewegungen unter die Lupe zu nehmen. Sie knüpft damit an ihr Stadtprojekt Bis hierher lief’s noch ganz gut aus der laufenden Spielzeit an.

 

ABC der Demokratie

Am 19. September begrüßt Carolin Emcke zum Auftakt der neuen Gesprächsreihe ABC der Demokratie den Autor und Fotografen Teju Cole in Cumberland. Dabei will die Friedenspreisträgerin die Demokratie auf ihre Voraussetzungen hin befragen. Weitere Gäste der Reihe, die in Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen stattfindet, sind der Kunsthistoriker Peter Geimer (12. Dezember) und die Erinnerungsforscherin Aleida Assmann (13. März 2018). Der Vorverkauf für diese drei Veranstaltungen startet am 1. Juni.

 

 

TERMINE & SERVICE

 

Am Samstag, 6. Mai, öffnet das Proben- und Logistikzentrum des Staatstheaters in der Bornumer Straße 152 a unter dem Motto In der Premierenfabrik erstmals seine Pforten. Der Eintritt ist frei.

 

Am Sonntag, 7. Mai, um 11 Uhr werden bei einem Spielzeit-Frühstück extra im Foyer alle neuen Stücke vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

 

Am 1. Juni beginnt der Vorverkauf für alle Premieren im Schauspielhaus. Am 16. Juni erscheint der Spielplan für August und September und der Vorverkauf für alle Vorstellungen in diesem Zeitraum beginnt (ebenso für die Gesprächsreihe ABC der Demokratie mit Carolin Emcke).

 

Neu: Cumberland Card

Mit der Cumberland Card reduziert sich der reguläre Eintrittspreis für alle Cumberland-Veranstaltungen um 50 Prozent. Sie kostet einmalig 30 € und ist ab Kaufdatum ein Jahr gültig.

 

Indien
Sommer Hof Theater von Josef Hader und Alfred Dorfer
Premiere: 11.08.17, 20:30 Uhr (Einlass 19:30 Uhr), Theaterhof
Weitere Vorstellungen: 12., 13., 15., 16., 17., 18., 19., 20., 22., 23., 24., 25., 26., 27.08.17
Der Vorverkauf läuft.

 

In 80 Tagen um die Welt
Familienstück nach Jules Verne, ab 6
Premiere: 11.11.17, Schauspielhaus
Reservierungen für Schulklassen ab sofort möglich per E-Mail: schule@staatstheater-hannover.de
Der Vorverkauf für alle Vorstellungen startet ebenfalls ab sofort.