Startseite > »Weltausstellung Prin... »Weltausstellung Prinzenstrasse«: Jean Malaurie erkranktDer »Weiße Eskimo« wird er von den Völkern des Hohen Nordens hochachtungsvoll genannt – Jean Malaurie. Dem berühmten Polarforscher ist die nächste Folge der »Weltausstellung Prinzenstraße« am Sonntag um 11 Uhr im Schauspielhaus-Foyer gewidmet. Leider musste Jean Malaurie seine Teilnahme an der Veranstaltung wegen Krankheit kurzfristig absagen. An seiner Stelle erwarten wir seinen ehemaligen Mitarbeiter Jan Borm, der im Gespräch mit Christian Tschirner über Malauries Lebenswerk Auskunft geben wird. Wie wenige andere Zeitgenossen hat der Wissenschaftler und Publizist Jean Malaurie unsere Wahrnehmung der Welt verändert. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er als Geologe. Zwischen 1948 und 1950 nahm er an geologischen Expeditionen vor allem nach Grönland und in die Südsahara teil. Dann, 1950, auf seiner ersten Einzelexpedition nach Nordgrönland, begegnete er den Inuit, den Polareskimos Nordgrönlands. Spontan, ohne Ausrüstung, entschied er sich, ein ganzes Jahr lang in einer ihrer Siedlungen im nördlichen Grönland zu überwintern. Diese Erfahrung beeinflusste nicht nur seine weitere wissenschaftliche Arbeit – er begann, die Sprache und Kultur der Inuit zu erforschen. Daraus entstand eine tiefe und lebenslange Freundschaft. Auf einer weiteren Expedition, die er 1951 gemeinsam mit zwei Inuit-Paaren in Nordgrönland unternahm, entdeckte Malaurie die geheime Nuklearbasis der US Air Force in Thule, die mitten im Gebiet der Grönländischen Eskimos und ohne deren Kenntnis angelegt worden war. Um den Skandal dieser Okkupation, die damit verbundene nuklearer Verschmutzung der Arktis und die Verletzung der Rechte der Inuit publik zu machen, veröffentlichte Malaurie sein wohl bekanntestes Buch »Die letzten Könige von Thule«. Andere Bücher und neun Filme über die Arktis und ihre Bewohner folgten. Um die aktuellen Forschungsarbeiten vor allem der Soziologie und Ethnologie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, begründete Malaurie 1954 als Herausgeber im Pariser Verlag Plon die Buchreihe »Terre Humaine«. Die Reihe wurde legendär und Bücher wie Claude Levi-Strauss »Traurige Tropen« avancierten zu Meilensteinen der Geisteswissenschaft. 1957 wurde Jean Malaurie Forschungsdirektor der École des hautes études en sciences sociales in Paris. Dort gründet er das Centre for Arctic Studies, das er bis heute leitet. Seine unorthodoxe und interdisziplinäre Arbeitsweise wurde prägend für Generationen von Studenten. 1992 gründete er auf Bitten der russischen Regierung die Polar Akademy of St. Peterburg, eine Universität, in der die zukünftige Elite der sibirischen Ureinwohner ausgebildet wird. In der »Weltausstellung Prinzenstraße« wird Jan Borm anstelle von Jean Malaurie von der Faszination und Herausforderung des Hohen Nordens sprechen, von seiner Bewunderung für die Völker am Polarkreis, ihrer tiefen Kenntnis der Natur. Und er wird davon berichten, wie unsere Lebensweise gerade diese Jahrtausende alten Kulturen der Nachhaltigkeit zu vernichten droht.
Weltausstellung Prinzenstraße - »Zorn der Erde«: 21. März, 11 Uhr, Foyer Schauspielhaus, Eintritt: 10 Euro
Mit freundlicher Unterstützung der TUI Stiftung und von Lettre international |
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