El Kurdis Kolumne

Ab sofort erscheint an dieser Stelle monatlich El Kurdis Theaterkolumne. Der Autor Hartmut El Kurdi, bekannt als satirischer Kolumnist bei taz, Stadtkind und ZEIT Leo, Theater- und Kinderbuchautor, ist dem Schauspiel Hannover als (ehemaliger) Dramaturg und nach wie vor als Gastgeber der Reihe Teilzeit-Flaneure verbunden. Nach Kiyaks Theater Kolumne am Maxim Gorki Theater Berlin ist El Kurdis Kolumne nun die zweite Theaterkolumne Deutschlands.

 

Keine Folge der Theaterkolumne verpassen? Eine formlose E-Mail an presse-s@staatstheater-hannover.de genügt, dann nehmen wir Sie in den Mail-Verteiler auf!

18.05.17

#8 Mein Aluhut, der hat drei Ecken

Über Künstler mit Rechtsdrall

#8 Mein Aluhut, der hat drei Ecken

Ich kann mich nicht ganz entscheiden, ob ich das Theater um Xavier Naidoo, die Söhne Mannheims und ihren Song Marionetten albern oder berechtigt finde. Dass Naidoo nicht der Hellste ist, dürfte eigentlich niemanden überraschen. Und dass er weltanschaulich in wirren und ekligen Paralleluniversen abhängt, ist ebenfalls schon länger bekannt. Früher beschränkte er sich allerdings darauf, christlich-fundamentalistisch-apokalyptisch vor sich hin zu orakeln. In Armageddon, einem Lied der Söhne Mannheims aus dem Jahre 2000 singt er zum Beispiel: »Armageddon kommt oder ist im vollen Gange / macht euch große Sorgen / denn jetzt sind wir in der Zange / ich bange um mein Leben / denn ich höre von dem Beben / und nur für 144.000 wird es Rettung geben«...


mehr lesen

06.04.17

#7 Der Schulz-Infekt

Über die rätselhafte neue Placebo-Krankheit der SPD

#7 Der Schulz-Infekt

Soviel Begeisterung, Aufbruchsstimmung und Heldenverehrung gab es in der SPD seit Willy Brandt nicht mehr. Die Älteren werden sich erinnern: Egal ob Arbeiter, Intellektuelle oder der nicht linksradikalisierte Teil der Studentenschaft – Brandt bekam Zuspruch aus vielen Milieus und Generationen. Alle trugen die prilblumenähnlichen Buttons mit »Willy wählen«, einem Slogan, der ebenso sozialdemokratisch-kumpelig wie hippie-duzend daherkam, also Arbeiter-Tradition und popkulturellen Fortschritt vereinte, 60er/70er-Jahre eben...


mehr lesen

07.03.17

#6: ZWISCHEN DÜNKEL UND HALTUNGSLOSIGKEIT

Über die unsolidarische Reaktion einiger Journalisten auf die Inhaftierung Deniz Yücels

#6: ZWISCHEN  DÜNKEL UND HALTUNGSLOSIGKEIT

Wenn es nicht so gefährlich wäre, könnte man sich über das, was manche deutsche Journalisten unter Journalismus verstehen, amüsieren. Ein Teil der Branche kann es nämlich immer noch nicht fassen, dass das traditionell rechtsradikale Viertel/Fünftel der Bevölkerung den Stammtisch verlassen hat und jetzt auf einmal wählen geht, öffentlich rumpöbelt, auf Demos »Lügenpresse« keift und Reporter verbal und körperlich attackiert.


mehr lesen

20.01.17

#5: Wo Rechts zu Doppelplus-Unrechts wird, wird Widerstand zur Pflicht

Über Neusprech, Doppeldenk und die AfD im postfaktischen Zeitalter

#5: Wo Rechts zu Doppelplus-Unrechts wird, wird Widerstand zur Pflicht

Die Zeugen Jehovas sagten für das Jahr 1975 Harmagedon voraus - das jüngste Gericht, die Endschlacht zwischen Gut und Böse, die Apokalypse. Als am 1. Januar 1976 die Welt noch stand beziehungsweise sich immer noch drehte und auch die Erdbevölkerung morgens wieder relativ geschlossen zum Appell antrat –  mit dem üblichen natürlichen Schwund – gab es eine Austrittswelle. Viele Sektenmitglieder wandten sich enttäuscht ab...


mehr lesen

19.12.16

#4: A Night at the Opera

oder: Witze mit Barth

#4: A Night at the Opera

Das Staatstheater Hannover hatte kürzlich Besuch. Nicht wir vom Schauspiel, sondern die Kollegen von der Oper. Mario Barth schaute mit versteckter RTL-Kamera vorbei und prangerte Steuerverschwendung an. Schwer investigativ. Es ging dabei allerdings weder um goldene Wasserhähne im Intendantenklo noch um karamellisierte Pavian-Hoden in der Kantine oder um Koks, Nutten und Stricher für Starregisseure. Es ging um die Oper an sich. Barth findet es skandalös, dass die Musiktheater-Inszenierungen vom Steuerzahler bezahlt werden, während Kindergärten das Geld fehlt. Das war – im Groben – der Zusammenhang beziehungsweise der Antagonismus, den er konstruierte...


mehr lesen

14.11.16

#3: Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität

#3: Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität

Es hat alles nichts genutzt: Die vielen durchaus gelungenen Witze über das Meerschweinchen das Donald Trump auf seinem Kopf spazieren trägt und die Frage, wie er es schafft, dass es so lange still hält; die Verachtung, die dem geschmacklosen protzreichen Blattgoldliebhaber von der amerikanischen Kulturelite entgegen gebracht wurde; das Benennen der Trumpschen Lügen und das Anprangern seiner rassistischen und sexistischen Weltsicht ... Alles für die Katz!


mehr lesen

10.10.16

#2: WIR HAM EUCH ETWAS MITGEBRACHT: HASS, HASS, HASS

Über die verbale und reale Rückkehr einer Emotion

#2: WIR HAM EUCH ETWAS MITGEBRACHT: HASS, HASS, HASS

Als ich ein Kind war, vor rund 40 Jahren, wurde in Deutschland weder großflächig noch weiträumig gehasst. Zumindest nicht verbal, zumindest nicht öffentlich, zumindest nicht eingestandenermaßen. Das Wort »Hass« war in der Alltagssprache quasi ausgestorben. Wenn sich tatsächlich mal jemand dazu hinreißen ließ zu sagen: »Ich hasse dich/das/jenes«, dann war das starker Tobak. Man zuckte zusammen und gab der Person die Notfallnummer eines psychologischen Beratungsdienstes. Oder Tabletten...


mehr lesen

30.09.16

#1 Showtime

Die alltägliche Performanz-Penetranz

#1 Showtime

Nur um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich halte nichts von der Verherrlichung der Vergangenheit, nichts von Nostalgie, Ostalgie, Westalgie oder anderen verkitschten Erinnerungen. Selbst wenn ich wie jeder andere Mensch hin und wieder wehmütig an irgendwelche nicht mehr existierende Dinge zurückdenke – Wählscheiben-Telefone, Tri-Top, Cappuccino mit Sprühsahne oder Marihuana, das einem nicht gleich beim ersten Zug aus den Socken haut – bin ich nicht der Meinung, früher sei irgend etwas besser gewesen...


mehr lesen