El Kurdis Kolumne

Ab sofort erscheint an dieser Stelle monatlich El Kurdis Theaterkolumne. Der Autor Hartmut El Kurdi, bekannt als satirischer Kolumnist bei taz, Stadtkind und ZEIT Leo, Theater- und Kinderbuchautor, ist dem Schauspiel Hannover als (ehemaliger) Dramaturg und nach wie vor als Gastgeber der Reihe Teilzeit-Flaneure verbunden. Nach Kiyaks Theater Kolumne am Maxim Gorki Theater Berlin ist El Kurdis Kolumne nun die zweite Theaterkolumne Deutschlands.

 

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20.01.17

#5: Wo Rechts zu Doppelplus-Unrechts wird, wird Widerstand zur Pflicht

Über Neusprech, Doppeldenk und die AfD im postfaktischen Zeitalter

#5: Wo Rechts zu Doppelplus-Unrechts wird, wird Widerstand zur Pflicht

Die Zeugen Jehovas sagten für das Jahr 1975 Harmagedon voraus - das jüngste Gericht, die Endschlacht zwischen Gut und Böse, die Apokalypse. Als am 1. Januar 1976 die Welt noch stand beziehungsweise sich immer noch drehte und auch die Erdbevölkerung morgens wieder relativ geschlossen zum Appell antrat –  mit dem üblichen natürlichen Schwund – gab es eine Austrittswelle. Viele Sektenmitglieder wandten sich enttäuscht ab...


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19.12.16

#4: A Night at the Opera

oder: Witze mit Barth

#4: A Night at the Opera

Das Staatstheater Hannover hatte kürzlich Besuch. Nicht wir vom Schauspiel, sondern die Kollegen von der Oper. Mario Barth schaute mit versteckter RTL-Kamera vorbei und prangerte Steuerverschwendung an. Schwer investigativ. Es ging dabei allerdings weder um goldene Wasserhähne im Intendantenklo noch um karamellisierte Pavian-Hoden in der Kantine oder um Koks, Nutten und Stricher für Starregisseure. Es ging um die Oper an sich. Barth findet es skandalös, dass die Musiktheater-Inszenierungen vom Steuerzahler bezahlt werden, während Kindergärten das Geld fehlt. Das war – im Groben – der Zusammenhang beziehungsweise der Antagonismus, den er konstruierte...


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14.11.16

#3: Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität

#3: Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität

Es hat alles nichts genutzt: Die vielen durchaus gelungenen Witze über das Meerschweinchen das Donald Trump auf seinem Kopf spazieren trägt und die Frage, wie er es schafft, dass es so lange still hält; die Verachtung, die dem geschmacklosen protzreichen Blattgoldliebhaber von der amerikanischen Kulturelite entgegen gebracht wurde; das Benennen der Trumpschen Lügen und das Anprangern seiner rassistischen und sexistischen Weltsicht ... Alles für die Katz!


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10.10.16

#2: WIR HAM EUCH ETWAS MITGEBRACHT: HASS, HASS, HASS

Über die verbale und reale Rückkehr einer Emotion

#2: WIR HAM EUCH ETWAS MITGEBRACHT: HASS, HASS, HASS

Als ich ein Kind war, vor rund 40 Jahren, wurde in Deutschland weder großflächig noch weiträumig gehasst. Zumindest nicht verbal, zumindest nicht öffentlich, zumindest nicht eingestandenermaßen. Das Wort »Hass« war in der Alltagssprache quasi ausgestorben. Wenn sich tatsächlich mal jemand dazu hinreißen ließ zu sagen: »Ich hasse dich/das/jenes«, dann war das starker Tobak. Man zuckte zusammen und gab der Person die Notfallnummer eines psychologischen Beratungsdienstes. Oder Tabletten...


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30.09.16

#1 Showtime

Die alltägliche Performanz-Penetranz

#1 Showtime

Nur um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich halte nichts von der Verherrlichung der Vergangenheit, nichts von Nostalgie, Ostalgie, Westalgie oder anderen verkitschten Erinnerungen. Selbst wenn ich wie jeder andere Mensch hin und wieder wehmütig an irgendwelche nicht mehr existierende Dinge zurückdenke – Wählscheiben-Telefone, Tri-Top, Cappuccino mit Sprühsahne oder Marihuana, das einem nicht gleich beim ersten Zug aus den Socken haut – bin ich nicht der Meinung, früher sei irgend etwas besser gewesen...


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