Wunderbar hochemotional

Regisseur Hawemann präsentiert uns den Roman gewissermaßen auf dem Silbertablett. Die Bühne (von Alexander Wolf) ist in Weiß gehalten und schräg zum Publikum gekippt. Das gibt in der ersten Szene eine sehr schöne Eislaufbahn und in der zweiten mit viel Kunstnebel einen Bahnsteig, auf dem Anna und Wronskij einander zum ersten Mal begegnen. Sarah Franke und Sebastian Schindegger zaubern hier mit ein bisschen Zigarettenrauch und viel knisternder Erotik eine sehr starke Liebesszene. Überhaupt gelingen dem Ensemble auf der weiten Spielfläche viele wunderbare, hochemotionale Szenen.

Manches in Hawemanns Inszenierung wirkt ganz federleicht dahingetupft. Die farbstarken Kostüme (von Ines Burisch) erzielen auf der weißen Bühne eine starke Wirkung, und die Akkordeon-, Gitarren- und Klarinettenklänge, mit denen der Musiker Xell von der Seitenbühne aus das Spiel begleitet, sind angenehm zurückhaltend und ersterben oft genau im rechten Moment.

+ 03.11.14 + Hannoversche Allgemeine + Ronald Meyer-Arlt +

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