Opernball

Pressestimmen zu »Opernball«

Ein Ball bekennt Farbe

Wer eine Karte für den Opernball kauft, kann sich sicher sein, für eine Nacht auf eine wundersame Reise eingeladen zu werden. In den vergangenen Jahren hatte Ausstatterin Marina Hellmann die Gäste mit ihren beeindruckenden Dekorationen stets in eine andere Welt entführt: Da gab es das New York der swingenden zwanziger und dreißiger Jahre, das fröhliche Rom der Fünfziger, oder aber gleich Dutzende Orte zwischen Orient und Okzident, als 2009 zu einer »Nacht im Orientexpress« geladen worden war. Am Freitagabend hingegen machte die Oper blau: Die 555 Mitarbeiter des Organisationsteams hatten sich der besonderen Herausforderung gestellt, eine Farbe als Motto für das große Fest zu wählen. Die 2200 Gäste feierten unter dem Titel »Blue Nights« (Blaue Nächte) und entdeckten mit den zahlreichen Facetten des Farbtons zugleich, wie originell die Einfälle zum Thema wieder einmal waren. Denn obwohl man bei den Planungen nicht hatte wissen können, wie hartnäckig frostig sich der Winter in diesem Jahr zeigen würde, passte die Dekoration der Bühne wunderbar zu den derzeitigen Temperaturen. Über der großen Tanzfläche und dem Podest des Niedersächsischen Staatsorchesters hingen stilisierte Eiszapfen von der Decke, die Tänzer drehten sich auf der zur Tanzfläche umgebauten Bühne und einer riesigen blauen Blüte, die auf das Parkett gemalt worden war. Florist und Sponsor Achim Duda hatte mit zahlreichen Blumenarrangements zudem ganze Arbeit geleistet. Der große Saal etwa duftete – fast wie den Stalaktiten zum Trotz – verführerisch frühlingshaft nach Lilien. »Mit Blau verbindet man unheimlich viele Assoziationen«, sagte Hellmann, die Ideen zu Wasser, Luft und Eis immer wieder neu variiert hatte. Im Foyer etwa plätscherte ein rauschender Wasserfall, im Parkett rechts konnten die Besucher dem »Blauen Engel« begegnen, natürlich nicht ohne die passenden Stücke aus dem Repertoire Marlene Dietrichs, die Chris Kolonko zu später Stunde zum Besten gab. Auch Steffen Grabe, der als Chef der Operngastronomie »Godi il nobile« für die Speisen des Abends zuständig war, hatte mit seinen Kollegen, die zum Teil eigens aus dem Berliner Friedrichstadtpalast und der Operngastronomie Hamburg angereist waren, spezielle Speisen zur blauen Nacht kreiert. Wer vom vielen Tanzen hungrig wurde, konnte beispielsweise Filetstreifen vom Weiderind in Morchelsoße mit Blaubeeren und blauen Kartoffelperlen oder aber Blaubeermuffins genießen. Besonders gefragt aber waren die Pralinen, die eine Hamburger Confiserie eigens für die beiden Ballabende in limitierter Edition in den Geschmacksrichtungen »Blue Curacao« und »Lavendel Karamell« hergestellt hatte. Bereits vor dem Einlass am ersten Abend standen bis zu 50 Gäste auf der Warteliste, die eines der begehrten Sets für drei Euro erstehen wollten. Vielleicht war dabei auch ein wenig Nostalgie im Spiel: Beim ersten Opernball nach vorheriger zweijähriger Pause hatte es 2005 auch Pralinen für die Gäste gegeben. Im Mittelpunkt des blauen Balls stand aber natürlich das Tanzen: Die Einstimmung übernahmen die Gesangssolisten Dorothea Maria Marx und Ivan Tur?i? mit »Die ganze Welt ist himmelblau«, Stefan Zenkl mit »Azurro« und Karen Frankenstein mit dem Chanson »Plus bleu que tes yeux«, bevor die 80 Debütanten der Tanzschule Bothe traditionell in Schwarz und Weiß ihren großen Auftritt hatten. Die Ehre des ersten Tanzes zur Eröffnung hatten wieder Intendant Michael Klügl mit Produktionsleiterin Almut Stuntebeck und Verwaltungsdirektor Jürgen Braasch mit seiner Frau Britta Dirksen. Kurz darauf hieß es dann schon »Alles Walzer« – und da konnten auch die Gäste einfach nicht widerstehen.

+ 20.02.10 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Dany Schrader +

Mit Federn und blauen Bärten

Die Gänge des Lavesbaus hatte das Ausstattungsteam des Opernballs mit wunderschön schimmernden Pfauenfedern geschmückt, einige Damen hatten den aktuellen Trend aber auch als Idee für ihren Kopfschmuck aufgegriffen. Die Hannoveranerin Nadine Raddatz, die mit ihrer Schwester Melanie zum Ball gekommen war, hatte sich nicht nur eine Haarsträhne blau gefärbt, sondern auch noch eine blaue Feder ins Haar gesteckt, so wie es in den zwanziger Jahren Mode war. »Den Haarschmuck habe ich eigens für heute gebastelt, ich hoffe, es hält«, sagte sie. Wie sie waren unter den 2200 Gästen zahlreiche Frauen und Männer, die sich passend zum Motto »Blue Nights« (Blaue Nächte) gekleidet und mit Accessoires geschmückt hatten. Auch die 33-jährige Sina Bolte, die als Modistin an der Staatsoper beschäftigt ist, war ebenfalls für die blaue Ballnacht kreativ. Korrespondierend zu ihrem Cocktailkleid hatte sie eine mondäne Kappe aus unzähligen Hahnenhalsfedern entworfen. »Meine Haare trage ich sonst sehr kurz, bei so einem Anlass sieht ein Hut dann einfach schicker aus als meine eigentliche Frisur«, sagte sie. Zum Opernball war sie mit Freundin Carolin Votel gekommen, die eigentlich in Bremen wohnt. »Sina hat mich überredet mitzukommen, und bisher gefällt es mir sehr gut«, sagte sie. Ebenfalls von weit her angereist war am Freitagabend auch Jakob Spitzer. Der 34-Jährige hatte sich gemeinsam mit acht Freunden aus Hamburg und Göttingen Karten für die blaue Nacht reserviert. »Wir wollen vor allen Dingen tanzen«, sagte der Risikomanager, der mit seiner Frau Monika Krupski schon häufiger in Hannover zu Gast war. Allerdings nicht, ohne sich dem Blau der Ballnacht auch äußerlich ein wenig anzupassen: Am Morgen hatte sich Jakob Spitzer eigens für den hannoverschen Opernball seinen Kinnbart von einem Friseur blau einfärben lassen. Sorge, nach dem Wochenende im Büro ausgelacht zu werden, hatte er nicht. »Die Farbe lässt sich ganz leicht wieder auswaschen«, sagte er.

+ 20.02.10 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Dany Schrader +

Der Opernball in Zahlen

Schon ein Blick auf die Zahlen verrät, dass der hannoversche Opernball ein Ereignis ist: 5500 Menschen wurden für Freitag und den heutigen Sonnabend erwartet. Bereits Monate im Voraus haben Ausstatter, Musiker, Techniker, Künstler und Statisten mit der Vorbereitung begonnen. Selbst die Speisen, die dieses Mal farblich passend zum Motto »Blue Nights« zubereitet wurden, haben die Köche vor Monaten zusammengestellt. In der Küche werden unter anderem 2000 Portionen Tapas, 1500 Portionen Filet Stroganoff, 1000 Wiener Schnitzel, 800 Pfannkuchen mit Blaubeermousse vorgehalten. Ausgeschenkt werden voraussichtlich 600 Flaschen Champagner, 4000 Cocktails sowie 4300 Liter Herrenhäuser Bier in Fässern und Flaschen. Im Lavesbau erwartet die Gäste an den beiden Ballabenden zudem eine Kulisse, deren Zahlen nahezu atemberaubend sind: Florist Achim Duda hat das Gebäude nach eigenen Angaben unter anderem mit 32000 Chrysanthemenblüten, 3000 Lilien, 6500 Psidistra, 400 Amaryllis und 200 Callas geschmückt. Am Empfang schreiten die Besucher über einen zehn Meter langen roten Teppich, das Ballgeschehen auf der Tanzfläche wird auf zwei Großbildleinwänden in andere Bereiche des Lavesbaus übertragen. Im Obergeschoss können die Besucher außerdem die Welt aus der Astronautenperspektive betrachten: Ein 180 Quadratmeter großer gemalter Prospekt zeigt den blauen Planeten. Das Unternehmen Lutzmann, Kerger und Traupe hat für die Ausstattung zudem 570 Quadratmeter digitale Großprints zur Verfügung gestellt. Für das Wohl der Gäste wird an einem Stand der Leibniz-Apotheke gesorgt: Dort gibt es Kopfschmerztabletten und Blasenpflaster. Für die Fahrt nach Hause stellt das Audi-Zentrum Hannover einen kostenlosen Shuttle zur Verfügung.

+ 20.02.10 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Dany Schrader +

Blaue Stunde im Dreivierteltakt

Die Oper hat den Blues. Ein echter Wasserfall rauscht im Foyer, getanzt wird im Parkett auf einer gewaltigen blauen Blume, und gespeist wird in einem blau illuminierten Aquarium. Die Farbe des Himmels und des Meeres dominiert in diesem Jahr Hannovers gesellschaftliches Highlight. 2200 Gäste fühlen sich für eine Nacht wie die Bewohner einer märchenhaften blauen Grotte.

Und auf die Farbwahl haben sich auch die Debütantinnen und Debütanten eingestellt, sie eröffnen den großen Opernball mit? Richtig ... der »Schönen blauen Donau«, dem Walzer aller Walzer. Blaue Stunde im Dreivierteltakt, so stilvoll kann man die Sorgen des Alltags einfach mal vergessen. Liebevoll auf das Motto »Blue Nights« abgestimmt ist die Eröffnungsshow mit dem extra für diesen Abend geschnittenen Film »Blue Fantasy«. Tenor Ivan Tursic singt »Die ganze Welt ist himmelblau« aus dem »Weißen Rössl«, Stefan Zenkl bringt genug Reibeisen in seinen Bariton für »Azzurro«, und Dorothea Maria Marx verspricht mit glaubwürdigem Sopran »Ich hole dir vom Himmel das Blau« aus der »Lustigen Witwe«. Das Staatsorchester ist mit feinem LED-Lichtzauber in eine Eisgrotte gebeamt – und der blaublütige Dirigent Lutz de Veer bringt dann die »blaue Donau« mit der nötigen Eleganz zum Fließen – bevor es dann wieder heißt »Alles Walzer«. Wunderbar, was Hannovers Oper aus eigenen Mitteln aufgefahren hat. Im großen oberen Foyer kann man sich als Astronaut in Smoking und Ballkleid fühlen: Ein acht Meter hoher und 21 Meter breiter Prospekt aus schwarzem Samt zeigt den Blick aus dem Weltall auf den blauen Planeten. Kosmisch gut. Und auf der Seitenbühne links gehts tief hinunter ins Meer: Das »Aquadome« ist die schöne Illusion eines Aquariums, auf Digiprints schwimmen lauter Fische um einen herum, so fühlt sich Speisen unter Wasser an. Blau, alles blau – und in schönem Kontrast sticht das Blumenmeer aus tausenden von weißen Blüten heraus. In der Disko »Blue Velvet« legt DJ Spax auf und bedient das erstaunlich zahlreiche junge Ballpublikum, das sich zur Blau-Pause auf dem Balkon versammelt hat (hier ist der blaue Dunst erlaubt). Und wer will oder vielleicht schon ein bisschen blau ist, ja, soll auch vorkommen in so einer Nacht, singt zu späterer Stunde an einer der Seitenbühnen (Jazz im Blue Note) leise mit: »I’ve got the Blues«. Was denn sonst.

+ 20.02.10 + Neue Presse + Henning Queren +

Zwischen Blumen und Garn

Blue nights, die blauen Nächte, heißt in diesem Jahr das Motto des Opernballs 2010, doch eigentlich sind Blumen das Hauptmotiv des Abends. Üppige Gestecke, wohin man auch sieht: 42000 Schnittblumen hat Florist Achim Duda für die Dekoration verwendet, eine Pracht in Grün-Weiß. Am Montag hat er mit dem Stecken angefangen, damit alles fertig wird. Und weil das noch nicht genug Arbeit wäre, belieferte der Florist zeitgleich noch den Polizeiball und die TUI-Hauptversammlung. Bei so viel Arbeit war gestern Abend aber erst mal Luftholen angesagt: Mit Ehefrau Sylwia gönnte sich der Florist ein paar schöne Stunden.

Die genoss auch Heike Riedmann alias Königin Marie. Sie kam im Gefolge noch Graf von Borries und Gattin Artemista von Borries. Borries? Genau, der war Innenminister unter König Georg V.. Und was machten die hohen Herrschaften auf dem Opernball? Das Quartett gehört zu den »Lustwandlern«, das ist eine Gruppe, die in historische Figuren zur Königszeit Hannovers um 1860 schlüpft. Schöne Idee, das Kleid des Abends ging jedenfalls klar an Königin Marie. Hilfe auf den letzten Drücker gabs gestern auch wieder: Kurt Prenzler und Schwester Margit Gieseke von Parfümerie Liebe waren wieder mit einer Beautybar da. Schon ein Dauergastspiel, die Prenzlers haben bisher jeden Ball begleitet. Was es zu tun gab? »Manche Damen lassen sich ihr Make-up auffrischen«, berichtete Kurt Prenzler. Und auch der eine oder andere männliche Opernballbesucher hat sich im Laufe des Abends noch pudern lassen – Schönheit ist eben nicht nur Frauensache. Prenzler hatte sogar noch einen Erste-Hilfe-Koffer mit Garn dabei – um losen Saum oder Knöpfe anzunähen. Der Mann denkt eben an alles. Und noch einer hatte alle Hände voll zu tun: Fotograf Rene Ledrado schoss wieder das offizielle Opernballfoto. Poetisch das Motiv, passend zur Motto der Ballnacht: Der Gast sitzt in einer flauschigen Muschel vor einem prallen Mond. Eine schöne Erinnerung, nicht nur für frisch Verliebte.

+ 20.02.10 + Neue Presse + Andreas Voigt +

Blaubeeren, Hot Dogs und 4000 Cocktails

Blaue Speisen? Geht. Wenn man sich den »Blauen Engel« schmecken lässt, einen Blaubeerpfannkuchen. Vor allem die Getränke waren der Farbe des Abends angepasst. Es gab alle möglichen blauen Cocktails, manche Gäste ließen sich einen Schuss Curaçao bleu in den Sekt geben.

Ansonsten dominierte die klassische Küche. Klar, dass auch der eher rot-weiße Hot Dog nicht fehlte. »Caesars Salad« hatte den Titel »Blue Night«, der Gourmetteller unter dem Motto »Asien meets Mittelmeer« war »Blue for you«. Die Tapas wurden im Glas serviert. Und dem »Stroganoff vom friesischen Ochsen« wurde eine Blaubeeren-Barolo-Sauce verpasst. Handfest waren die Weißwürste, die immerhin in einem blau-weißen Ambiente in einem Zelt auf dem Balkon gereicht wurden. Ein klassischer Shrimpcocktail kam mit blauen Blumen – und die kleinen Wiener Schnitzel vom Kalb gab es zusammen mit Trüffeln. 2000 Portionen Tapas wurden verkauft, 1500 Portionen »Filet Stroganoff«, 1000 Wiener Schnitzel, 800 Pfannkuchen und 1500 Pralinen »Limited Edition Blue Nights«. Und damit man sich selbst ein wenig blau fühlen konnte, wurden 600 Flaschen Champagner ausgeschenkt, 4000 Cocktails, 1800 Liter Bier vom Fass, 2500 Liter aus der Flasche – und 200 Liter Weißbier.

+ 20.02.10 + Neue Presse + Henning Queren +

Das erste Mal: Hartes Training für Debütanten

Üben, üben, üben: Seit September haben sich die 40 Paare auf den Opernball vorbereitet, hartes Tanztraining für eine etwa fünfminütige Walzerchoreografie, bei der alles perfekt klappen muss. »Die Bewegung mit dem Schlag der Musik zu synchronisieren, war das Schwierigste«, sagt Alexander Stichternath.

Der 17-jährige Schüler vom Kaiser-Wilhelm-und-Ratsgymnasium in Hannover und seine Partnerin Alina Janietz (17) tanzen seit einem Jahr zusammen bei der Tanzschule Bothe, kennen sich also bestens. Nervosität vor dem großen (Gesellschaft-) Auftritt? Fehlanzeige. »Die Aufregung kam erst auf dem Weg von den Katakomben des Opernhauses zur Bühne«, räumte Alexander hinterher ein. Für den 17-Jährigen ist der Opernball 2010 schon der zweite, den er besucht. Vor einem Jahr entschloss er sich, am Debütantenball teilzunehmen. Warum? »Das ist ein besonderes Erlebnis. Mich hat damals die Formation aus den vielen Tänzern beeindruckt. Das wollte ich auch mal machen.« Der Opernball begann für Alexander um 17.30 Uhr mit den letzten Anweisungen für den großen Auftritt. Partnerin Alina war da schon lange im Haus: Seit dem Nachmittag kümmerten sich Stylisten um die Frisuren der jungen Damen.

+ 20.02.10 + Neue Presse + Henning Queren +

Hannover macht blau

Der Zauber beginnt Punkt Mitternacht. In der »Blauen Grotte«, vormals bekannt als Hauptbühne des Opernhauses, betritt eine elfköpfige Combo das Podest. Die Herren in den grellfarbigen Hemden setzen ihre Trompeten, Tubas und Klarinetten an – und dann geht?s rund: Absolut mitreißende Roma-Musik in irrwitzigem Tempo füllt den Raum und verwandelt den Opernball plötzlich in eine Dorfhochzeit, ein fröhliches Fest unter Freunden. Und die – Ballkleid hin, Smoking her – tanzen, wippen, klatschen schon bald mit in dem rasenden Takt, der nicht nur den Musikern den Schweiß auf die Stirn treibt. Fanfare Ciocarlia heißt das Ensemble, das vor 15 Jahren noch ein südosteuropäisches Dorf-Dasein fristete, inzwischen aber so gefragt ist, dass sein Auftritt in Hannover durchaus als Ball-Höhepunkt gewertet werden darf. Dabei hatte der zweite Teil der »Blue Nights« schon den ganzen Abend für Highlights gesorgt. Zwar ließ hier und da eine Blume in den üppigen Gestecken schon mal den Kopf hängen, an Glanz und Gloria stand der Sonnabend-Durchgang dem von Freitag aber in nichts nach. Zumindest der Prominentenfaktor war sogar noch ein wenig höher. Altbundeskanzler Gerhard Schröder ließ sich zwar trotz mehrfacher Gerüchte (»doch, er ist abgeholt worden, er müsste gleich hier sein«) nicht unter den 2200 Gästen im Lavesbau blicken. Dafür setzte aber Lilo Wanders (54) einen schrillen Akzent. Die aus dem Fernsehen bekannte Travestiekünstlerin genoss es sichtlich, bereits im zweiten Jahr dabei zu sein, wenn in der Oper gefeiert wird. Gleich nach der Ankunft aus Hamburg stürzte sie sich gut gelaunt mit Hannovers Aids-Hilfe-Chef Bernd Weste (59) und seinem Ehemann Frank Hackbarth ins Ballgeschehen. »Wir machen heute das volle Programm – tanzen, schlemmen, flanieren«, sagte Wanders. Auch »Tagesschau«-Sprecher Jan Hofer (58), der gemeinsam mit Freundin Conny Modauer (53) ebenfalls aus der Hansestadt angereist war, lobte Ball und Motto: »Ich kenne die Opernbälle in Dresden und Frankfurt, aber hier in Hannover ist es einfach klasse. Und das Defilée der Debütanten habe ich so schön noch nicht gesehen«, lobte Hofer. Doch nicht nur den »Blue Nights«, sondern auch der Landeshauptstadt attestierte der Nachrichtensprecher, der beruflich häufig in Hannover zu Gast ist, eine besondere Anziehungskraft: »Am Maschsee kann man wunderbar spazieren gehen, und es gibt dort ein sehr gutes Restaurant.« Dieses Mal war Hofer allerdings auf Einladung des Unternehmens Audi Hannover gekommen, das in diesem Jahr neben 18 Kosponsoren und Partnern gemeinsam mit Klingenberg einer der beiden Hauptgeldgeber des Opernballs war. Zum ersten Mal seit Jahren hatte der Finanzdienstleister AWD auf eine Beteiligung verzichtet, nach Angaben einer Sprecherin will das Unternehmen seine Sponsoring-Aktivitäten künftig bündeln und sich in Hannover auf den Landespresseball im HCC konzentrieren. Vom Wechsel war am Sonnabend jedoch nichts zu spüren, die hannoversche Stadtgesellschaft war – trotz der Absagen von Kulturminister und Quasi-Hausherr Lutz Stratmann (50) – zahlreich vertreten. Auf dem Parkett und in den mit wasser-, himmel- oder eisblauen Motiven dekorierten Sälen genossen unter anderem Regionspräsident Hauke Jagau (48), Wirtschaftsminister Jörg Bode (39) und Unternehmer Werner M. Bahlsen (60) den Abend. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Claudia Winterstein (59) freute sich besonders aufs Tanzen. Für Spitzengastronom Ekkehard Reimann (68) und seine Begleiterin Ute Cornils (52) ist der Opernball seit Jahren ebenso ein fester Termin wie für Madsack-Geschäftsführer Rüdiger Garbs (58) und Partnerin Sabine Garbe. Vielleicht hat es ja im Lauf der Nacht noch zum kollegialen Smalltalk mit Madsack-Anzeigenchef Olaf Kuhlwein (49) gereicht, der mit seiner Frau Nannette gekommen war. Auch Galerist Robert Simon (63) und Frau Heide hatten sich ganz dem Motto des Abends gewidmet. Simon trug eine blaue Fliege zum Anzug, seine Begleiterin hatte passend zum eigens angefertigten Kleid in Himmelblau farblich identischen Nagellack aufgetragen. Und Hannover-Concerts-Chef Michael Lohmann (57) berichtete stolz, dass seine Lebensgefährtin Susanne Bothe ihr – natürlich blaues – Abendkleid extra in New York gekauft hatte. Helene Gysi (96), ehemals Schuhhaus Gysi, schwelgte dagegen in Erinnerungen: Sie hatte in der Abendtasche zum Brokatkleid die Originaleintrittskarte von 1989 gefunden. Schon damals sei der Opernball ein rauschendes Fest gewesen, sagte sie. »Aber heute ist er natürlich noch viel schöner.«

+ 22.02.10 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Dany Schrader +

Ein rauschendes Tanzfest in Tiefblau

Rauschende Ballnacht, Teil zwei: Am Freitag waren schon 2200 Gäste da, am Sonnabend drehten sich erneut 2200 Walzerfreunde im Dreivierteltakt. »Blue Nights«, die blauen Nächte, haben also gezogen. Und wie! Seit Monaten waren die Karten für den Opernball bis auf Restbestände vergriffen, beim Internet-Auktionshaus Ebay erzielten Tickets hohe Preise.

War das etwa der Durchbruch? Die Logen der beiden Hauptsponsoren Klingenberg Möbel-Design und Audi Hannover waren voll belegt, Unternehmer und Vorstandsvorsitzende ließen es sich am Buffet bei Jacobsmuscheln, Rotbarbenfilets und Medaillons vom Weidenochsen munden, für das Markus Kirchner (Maritim-Airport-Hotel) verantwortlich war. Und: Nicht nur das Essen schmeckte, auch der Opernball war für sie ein Volltreffer. »Der Ball ist eine wunderbare Sache. So etwas gibt es in Hamburg nicht«, lobte Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer die Veranstaltung. Mit am Tisch der Hofers saßen Ian K. Karan, Hamburger Unternehmer, Mäzen und HSV-Aufsichtsratsmitglied, und Frau Barbara. Auch Karan war zum ersten Mal beim Opernball und freute sich »über einen wirklich gelungenen Abend«. Und weil es so schön ist, gleich noch ein Lob hinterher. Diesmal von jemandem, der sich in den Opernhäusern der Welt auskennt: Star-Sopranist Jörg Waschinski aus Berlin war auf Empfehlung gekommen und sprach von einem »tief beeindruckenden Abend«. Worte, die Hannovers Chefvermarkter Hans Nolte sicher gern hört, hatte er doch vor fünf Jahren den Anstoß für den Neustart gegeben. Nolte ist aber auch so schon Fan des Opernballs: »Auch mit dieser Veranstaltung spielen wir in der ersten Liga.« Davon überzeugt haben sich unter anderem Lilo Wanders (war mit Bernd Weste von der Hannöverschen Aids-Hilfe gekommen), die Bundestagsabgeordnete Claudia Winterstein (tanzte mit Großneffe Michael Kubenz), Üstra-Chef Andre Neiß, Regionspräsident Hauke Jagau (beide mit den Ehefrauen da), Ex-Intendant Hans-Peter Lehmann, Andreas Hüttmann (Der Partylöwe), Da-Capo-Agenturchef Christian Bendig und Werner Michael Bahlsen. Gleich mit zwei Frauen am Start war Hannover-Concerts-Chef Michael Lohmann. Lebensgefährtin und Tanzschuleninhaberin Susanne Bothe hatte Tochter Barynia mitgebracht, die wohl das Abendkleid mit der weitesten Anreise trug – aus New York nämlich. Dort hatte die junge Frau bis vor kurzem für ein halbes Jahr am Broadway Dance Center getanzt, an dem sich immerhin auch Weltstar Beyoncé fit macht für ihre Auftritte.

+ 22.02.10 + Neue Presse + Andreas Voigt +

"Wir haben den schönsten Ball des Nordens"

Positive Bilanz: Opernintendant Michael Klügl über andere Bälle, gekaufte Stargäste und die Stärke seines Hauses.

Zufrieden?

Aber ja, ich denke, es ist mal wieder wunderbar gelaufen.

Ist mal daran gedacht worden, einen Stargast zu holen? Dieter Bohlen oder Thomas Gottschalk?

Sie sind natürlich alle willkommen. Diese sogenannten Stargäste sind eingekauft, und es ist nicht die Aufgabe der Staatsoper Hannover, so etwas zu machen. Zu uns muss man freiwillig kommen. Und es gibt gute Gründe, bei uns zu feiern.

In anderen Städten organisieren private Event-Agenturen solche Bälle. Könnte das auch in Hannover passieren?

Auf keinen Fall. Der Erfolg dieses Opernballs fußt auch auf der Begeisterung der Menschen, die hier am Theater arbeiten. Es entsteht in jedem Jahr wieder eine komplett neue Welt. Wir nutzen alles, was dieses Haus zu bieten hat.

Wie profitiert eigentlich die Oper von so einem Ball? Bleibt auch finanziell etwas übrig?

Da ist erst einmal einfach die große Lust an einem Fest. So ein Opernball kostet sehr viel – aber wir achten schon darauf, dass es gut für uns ausgeht.

Wie wichtig ist so ein Opernball für eine Stadt?

Wir haben hier auf jeden Fall den schönsten Ball des Nordens. Er hilft sehr bei der Verbesserung des Image. Die Hannover immer nachgesagte Bescheidenheit wird zumindest an diesen beiden Abenden ausgesetzt.

Nach dem Ball ist vor dem Ball. Das Motto das nächsten?

Wir arbeiten daran. Vielleicht nehmen wir uns statt einer Farbe mal eine Zeit vor.

+ 22.02.10 + Neue Presse + Henning Queren +

Bürgerball mit Hot Dog

Auch Wien und Dresden haben ihre Opernbälle. Und trotzdem liegt Hannover nach Punkten vorn. Nicht im Sinne des Glamours, wir haben keinen Dieter Bohlen oder sonst wen. Brauchen wir auch nicht. Denn das Haus und seine Gäste sind die Stars.

Und das ist so sympathisch, dass manche Gäste aus Regensburg, Hamburg, Berlin oder eben sogar Dresden anreisen. Und das in jedem Jahr. Denn das Einmalige an Hannover ist, dass dieser Opernball immer wieder neu erfunden wird. Das ganze Haus stellt sich ohne allzu große Pingeligkeit bei tariflich geregelten Arbeitszeiten darauf ein. Die Werkstätten über das extra geforderte Staatsorchester bis zum Sängerensemble machen einen wunderbaren Wunderball allein aus Bordmitteln möglich. Und es ist ein Bürgerball – auf dem es eben auch Hot Dogs und Bier zu Stadionpreisen gibt. Schön wars wieder, tolle Deko (alles blau), Superprogramm und eine angeschrägte Mitternachsshow. Wenn von Leuchttürmen des Landes die Rede ist – hier strahlt einer ganz hell.

+ 22.02.10 + Neue Presse + Henning Queren +