6. Sinfoniekonzert

Dirigent: Jonathan Darlington

  • Der Dirigent Jonathan Darlington

ZUM STÜCK

Maurice Ravel
»Ma Mère l'Oye« (1908/1911)
Claude Debussy
»Jeux« (1912–13)
Antonín Dvořák
Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 (1889)

Als eine gewaltige Spielzeugschachtel beschrieben Besucher Ravels Villa »Le Belvédère« bei Paris. Hier schuf sich der sensible und scheue Komponist ein mystisches Reich, einen Zaubergarten, in dem er in den Träumen eines Kindes versank, aus denen seine Musik entspringt – wie etwa seine musikalische Märchensammlung »Ma Mère l'Oye«. In ihr habe Ravel die »Poesie der Kindheit beschwören wollen«. Er hatte sie zwischen 1908 und 1910 zunächst für Klavier geschrieben und im Untertitel als »Cinq pièces enfantines« bezeichnet. In seiner 1911 vorgenommenen Orchestrierung, die den klanglichen Charakter jedes Instrumentes raffiniert einsetzt, gelingt es Ravel, die inneren wie äußeren Vorgänge der Märchenfiguren differenziert zu beschreiben.

Von klanglicher Raffinesse und Poesie ist auch Debussys »Jeux« geprägt, ein Auftragswerk für Diaghilews Ballets russes, das 1913 in Paris zur Uraufführung kam. Gegenüber der kindlichen Einfachheit von Ravels Musik entwickelte Debussy aus dem Sujet des Spiels seine modernste und kühnste Partitur. Die Musik wird hier zum abstrakten »Spiel«. Sie setzt die Bewegungsimpulse des der Handlung zugrunde liegenden Tennisspiels und seiner Zufälligkeiten in ein Spiel kleinster Motive und Motivfetzen um, das zu einem undurchdringlichen Geflecht musikalischer Ereignisse anwächst. Das Stück entfaltet eine Skala von harmonischen, aber auch Orchesterklangfarben, deren Modernität bis heute erstaunt – Debussys Vermächtnis an die Zukunft.

Auch für Antonín Dvořáks 8. Sinfonie ist die Fülle musikalischer Einfälle ebenso kennzeichnend wie die Vielfalt seiner Ausdruckselemente. »Es geht über Erwartung leicht und die Melodien fliegen mir nur so zu«, schrieb der Komponist über die Entstehung der Sinfonie. Dem Werk spürt man bereits die »Natürlichkeit und Anmuth« an, die Dvořák später zu seinem künstlerischen Credo erhob. Das 1889 entstandene Werk ist seine heiterste und gelösteste Sinfonie. Hier ist nichts mehr zu spüren von der inneren wie äußeren Anspannung, die die einige Jahre zuvor komponierte düster-tragische 7. Sinfonie kennzeichnet. Und so verwundert es auch nicht, dass sie neben der 9. bis heute die beliebteste Sinfonie des Tschechen ist.